Volkert Ruhe
Verein "Gefangene helfen Jugendlichen"

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3. Mai 2018
Autor: Volkert Ruhe


Tagesablauf im Knast: Um sechs Uhr morgens gehen die Türen auf. Da geht man in der Regel zur Schule oder zur Arbeit. Um 16 Uhr sind alle wieder da. Um 18.30 Uhr gehen die Türen zu und das Licht aus – Schlafenszeit. So erkläre ich Jugendlichen den Alltag hinter Gittern, wenn sie für zehn Minuten in einer Zelle sitzen, hinter dicken Holztüren und nichts als rote Backsteinmauern sehen mit Stacheldrahtrollen. „Den Knast erleben…“ heißt dieses Projekt und soll sensibilisieren. Die Jugendlichen bekommen alle Informationen, die für sie wichtig sind, um entscheiden zu können, ob sie im Knast landen wollen oder nicht. Leider sind die meisten von denen, die wir den Knast auf diese Art und Weise erleben lassen, auf dem Weg in eine kriminelle Karriere.

1998 habe ich den Verein „Gefangene helfen Jugendlichen“ gegründet. Seitdem haben wir mehr als 5.000 Jungs einen Besuch im Knast ermöglicht. Und wir machen noch viel mehr. Antigewalttraining, Suchtprävention mit ehemaligen Usern, pädagogisches Boxen, Präventionskurse zum Cybermobbing oder Deeskalationstraining: All das bieten wir meist in Zusammenarbeit mit Schulen, Polizei und Jugendeinrichtungen an. Ich mach das, weil ich nicht will, dass Jugendliche kriminell werden. Und ich bin überzeugt davon, dass unser Präventionsangebot wirkungsvoll ist, auch wenn sich dieser Erfolg in Zahlen schwer messen lässt.

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