Peter Ehrhardt
Hamburger Fürsorgeverein

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3. Mai 2018
Autor: Peter Ehrhardt


Wenn der Vater ins Gefängnis kommt, ist das für die Kinder und die Partnerin ein großer Schock. Da stellen sich ganz praktische Fragen wie: Wer zahlt jetzt die Miete und wie geht es mit der Lebensversicherung weiter? Aber es geht auch um Fragen wie: Darf ich Papa jetzt noch sehen? Und was, wenn Mama das nicht will? Seit sechs Jahren gebe ich gemeinsam mit meinen Kollegen Angehörigen inhaftierter Menschen Hilfestellungen. Wir haben eine Anlaufstelle gegründet, die jeder aufsuchen kann. Die meist weiblichen Besucher, die zu uns kommen sind oft überfordert mit der Inhaftierung eines Familienmitgliedes und fühlen sich mitbestraft, ja mitgefangen. Sie haben Angst vor Stigmatisierung durch ihre Nachbarn, durch die Presse, die über den Prozess berichtet und suchen nach einem diskreten Gespräch, das ihnen erlaubt, alle ihre Gefühle und Fragen auf den Tisch zu legen. Wir hören gerne zu, auch wenn das manchmal mehrere Stunden dauert und helfen, die richtigen behördlichen Wege zu gehen.

Ein zweiter Schwerpunkt meiner ehrenamtlichen Arbeit ist das Aufsuchen inhaftierter Menschen in der JVA und die Begleitung "gelockerter" Gefangener beim Ausgang zur Vorbereitung ihres Lebens nach der Haft. Da werden Besuche bei der Familie gemacht, Erstgespräche bei Therapieeinrichtungen geführt, ein Konto eröffnet oder ein Behördengang erledigt. Oder schlicht neue Sportschuhe gekauft, weil die alten durchgelaufen sind.

Warum ich das tue? Weil ich der Meinung bin, dass jeder Mensch mindestens eine zweite Chance verdient hat.

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