Ewa Luszak
Küchenhilfe beim Herz As & der Kunztküche

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3. Mai 2018
Autorin: Ewa Luszak


Mein Name ist Ewa Luczak. Ich bin 51 Jahre alt und stamme ursprünglich aus Polen. Vor neun Jahren kam ich nach Hamburg, um ein ganz neues Leben anzufangen. Ich wollte an einem anderen Ort wieder zu mir selbst finden und neue Menschen um mich haben, die mich schätzen und so nehmen, wie ich bin, und für die ich auf meine Weise da sein darf. Ich entschied mich damals für Hamburg. Als ich hier ankam, hatte ich außer meinem Überlebenswillen und meinem starken Wunsch zur Veränderung weder Geld oder Arbeit noch Wohnung. Ich stand also ohne alles da, genau am Punkt Null. Mir war von Beginn an klar, dass ich keine einfachen Zeiten vor mir haben würde, wenn ich ohne jede materielle Grundlage in Hamburg bleibe. Aber ich hatte mich eindeutig für meine Zukunft entschieden und gegen eine Vergangenheit, die nicht selten von Leid und Schmerz geprägt war. Also suchte ich in der Spaldingstraße Schutz in einem Winternotprogramm. Dort lernte ich - wie es der Zufall will – meinen heutigen Freund Stefan kennen. Er ist Rumäne und heute 46 Jahre alt. Wir lebten sechs Jahre zusammen auf der Straße. Es war eine sehr harte Zeit, aber wir haben uns gegenseitig motiviert und oben gehalten. Stefan versuchte immer wieder, eine Festanstellung als Elektriker zu bekommen. Vor drei Jahren nun endlich hat es mit einer solchen geklappt. Eine gemeinsame Wohnung folgte. Stefan hilft und unterstützt mich, wo es geht. Ich glaube, die Umstände, unter denen wir uns einst kennenlernten, haben uns sehr zusammengeschweißt. Durch meine eigenen Erfahrungen war es mir in Hamburg immer ein großes Anliegen, Menschen zu unterstützen, die ähnliches durchzumachen haben wie ich selbst einst. So arbeitete ich ehrenamtlich einige Zeit im Herz As als Küchenhilfe. Mit meinen Möglichkeiten unterstütze ich sehr gern andere Obdachlose. Obwohl ich selber keinen Alkohol trinke, habe ich auch keine Berührungsängste mit alkoholkranken Menschen und bin jederzeit bereit, diesen zu helfen. Das Leben auf der Straße ist sehr hart, und nicht jeder hat die nötige Kraft dafür. Hilfe zur Selbsthilfe hat jeder Mensch verdient.

Seit 2017 bin ich Hinz&Kunzt-Verkäuferin. Ich engagiere mich darüber hinaus und habe im April in der KunztKüche mitgeholfen. Spülen, schnippeln, servieren und darauf achten, dass Ordnung und Sauberkeit in der Küche herrscht – das alles gehört hier zu meinem Tätigkeitsbereich. Ich erledige diese Arbeit sehr gern, da ich weiß, dass sie wichtig und notwendig ist und demzufolge sinnvoll. Ich empfinde es als eine sehr ehrenvolle und erfüllende Aufgabe, anderen Menschen durch mein Zutun helfen zu können. Gleichzeitig erhalte ich selbst Wertschätzung für meine Arbeit. Aktuell ermöglicht mir Hinz&Kunzt einen Sprachkurs, denn das Deutsch, das ich auf der Straße gelernt habe, reicht nicht aus. Ich verstehe zwar alles, aber auch das Sprechen will geübt sein.

Das Team der FreiwilligenBörseHamburg (www.freiwilligenmanagement.com), das ja seit vielen Jahren in den unterschiedlichsten Bereichen hamburgweit Hilfe zur Selbsthilfe fördert und unterstützt, war mit meinem Vorgänger Erich Heeder bei Hinz&Kunzt auf der Suche nach einer zukünftigen würdigen Staffelstabträgerin für die Engagement-Kampagne „Mit dir geht mehr!“. Ich freue mich sehr, dass ich dabei ausgewählt wurde und die Ehrung nun entgegen nehmen darf. Ich möchte das im Namen all der vielen Obdachlosen tun, die es noch nicht geschafft haben und für die ich mir das gleiche Glück, die gleiche Eigeninitiative und Kraft und vor allem genau so viel Hilfe aus dem Umfeld wünsche, wie sie mir selbst zuteil geworden sind. Wenn Menschen Hilfe bekommen, dann kehrt auch die Hoffnung zurück und dann schaffen sie es auch wieder auf die Beine und können - so wie mein Freund und ich - irgendwann selbst andere Menschen unterstützen. Danke also an alle, die denen helfen, die ganz unten sind.

Text: Christine Kosmol (FreiwilligenBörseHamburg)

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